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Teslas Roadster hebt ab – doch der Stunt belegt kein fertiges Flugauto
Teslas neuer Roadster hat Berichten zufolge mithilfe von Druckluft spektakuläre Manöver in der Luft ausgeführt. Doch das Stuntfahrzeug, der Wagen auf der Bühne und die geplanten Kundenversionen müssen auseinandergehalten werden. Die Vorführung belegt weder anhaltenden Flug noch ein zugelassenes Produkt.
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Ein Auto, das vom Boden abhebt, ist ein eindrucksvoller Anblick. Doch daraus geht nicht hervor, wie lange es in der Luft bleiben kann, wie gut es sich steuern lässt oder was passiert, wenn etwas schiefgeht. Genau da steht Teslas neuer Roadster: zwischen einer spektakulären Prototypen-Vorführung und dem Versprechen eines Autos, das Kunden einmal besitzen können sollen.
Bei der Präsentation auf dem SpaceX-Gelände in Texas am 15. Oktober 2026 soll ein Roadster-Prototyp kopfüber auf einer gebogenen Rampe gefahren, abgehoben, rotiert und gelandet sein. Sowohl Car and Driver als auch CBS/AFP berichten über die Vorführung. Das ist etwas anderes als ein unabhängiger Test, der anhaltenden Flug nachweist. [1][2]
Auch die Beschreibungen müssen auseinandergehalten werden. Im ersten Artikel von Car and Driver ist davon die Rede, dass der Prototyp die Rampe verlässt und in der Luft eine Rolle ausführt. CBS beschreibt eine Drehung um 180 Grad vor der Landung auf den Rädern. In der technischen Nachbetrachtung von Car and Driver kommt ein weiteres Manöver hinzu: ein Sprung ohne Rampe über fünf Tesla-Fahrzeuge, darunter ein Semi-Lastwagen. Diese Angaben lassen sich nicht zu einem einzigen gesicherten Ablauf zusammenfügen. [1][2][3]
Die Übertragung der Präsentation wird als live beschrieben. Damit steht allerdings nicht fest, dass sämtliche Stuntsequenzen genau in dem Moment stattfanden, in dem das Publikum sie sah. Das muss anhand des Originalmaterials geprüft werden.
Wer wissen möchte, was Tesla tatsächlich gebaut hat, sollte einen wichtigeren Unterschied beachten, der bereits ausdrücklich dokumentiert ist: Der Stuntprototyp war nicht dasselbe Auto, das auf die Bühne gefahren wurde. Car and Driver verweist unter anderem auf unterschiedliche Räder. Welche technischen Unterschiede es zwischen den Fahrzeugen genau gab, geht aus den Angaben nicht hervor. [1]
Luft zum Abheben – und Luft für die Bodenhaftung
Hinter der Vorführung stehen zwei Systeme mit nahezu gegensätzlichen Aufgaben. Das eine soll das Auto vom Boden abheben lassen. Das andere soll ihm helfen, den Kontakt zur Fahrbahn zu halten – selbst dann, wenn sich diese über dem Auto befindet.
Für den Auftrieb sorgen laut Tesla sogenannte Kaltgasdüsen von SpaceX. Dabei wird kein Raketentreibstoff verbrannt: Sehr stark komprimierte Luft strömt durch Düsen aus und erzeugt eine Kraft in die entgegengesetzte Richtung. Tesla beschreibt zehn rund um das Auto verteilte Düsen, die Vorwärts- und Aufwärtsbewegungen sowie Drehungen ermöglichen sollen. Elektrische Stellglieder sollen kleine, präzise Anpassungen erlauben. Das ist die Beschreibung der Steuerung durch das Unternehmen, keine unabhängige Bestätigung ihrer Präzision. [1][3]
Laut der Nachbetrachtung von Car and Driver hatte das Auto, das den Sprung ohne Rampe ausführte, zwei Druckbehälter mit insgesamt 250 Kilo Luft an Bord. Die Behälter nahmen den Platz des Beifahrersitzes ein. Das zeigt ganz konkret, dass die Technik Raum braucht und dass gerade dieses Stuntfahrzeug kein gewöhnlicher zweisitziger Sportwagen mit einem zusätzlichen Fahrmodus war. [3]
Das Gebläsesystem wirkt in die andere Richtung. Der Beschreibung zufolge saugen Gebläse Luft unter dem Auto ab, während ein zur Fahrbahn hin abdichtendes System hilft, eine Saugkraft aufzubauen. Tesla behauptet, diese Kraft reiche aus, um das Auto selbst im Stillstand an einer über ihm verlaufenden Fahrbahn zu halten. Auf einer gewöhnlichen Straße soll dasselbe Prinzip den Reifen mehr Haftung geben. [1][3]
Teslas Leiter der Fahrzeugentwicklung Lars Moravy beschreibt zwei Betriebsarten: Saugkraft bei niedriger Geschwindigkeit und einen Modus für höhere Geschwindigkeiten, bei dem sich Teile an Front und Heck öffnen, damit mehr Luft unter dem Auto hindurchströmen kann. Auch ein beweglicher Heckflügel soll dazu beitragen, das Auto auf die Straße zu drücken. Es handelt sich also um unterschiedliche Lösungen für Bodenhaftung und Bewegung in der Luft, nicht um ein einziges System, das alles erledigt. [1][3]
Musk sagt, das Auto solle seine Lufttanks selbst befüllen können. Die Berichte enthalten aber keine verifizierten Angaben dazu, wie lange das Wiederbefüllen dauert, wie viele Manöver nacheinander möglich sind oder wie die Systeme mit einem Fehler umgehen. Für die Nutzbarkeit sind diese Fragen mindestens ebenso wichtig wie die Frage, ob das Auto einmal abheben kann. [1][3]
Auch die Beschleunigungsangaben müssen ebenso kritisch geprüft werden. Bei der Präsentation wurde zunächst eine Sekunde und dann 0,8 Sekunden bis 60 mph genannt, also knapp 97 km/h. Car and Driver bezeichnet die Zeiten als behauptete Ergebnisse. Weder eine unabhängige Zeitmessung noch eine ausreichende Beschreibung der Messbedingungen wird vorgelegt. Es handelt sich auch nicht um ein gemessenes Ergebnis für 0–100 km/h. [1]
Drei Versionen – die Versprechen sind noch nicht eingelöst
Tesla beschreibt drei geplante Ausführungen. Performance soll zwei Sitze, ein Gebläsesystem und einen aktiven Heckflügel haben. Bei Thrust sollen nach hinten gerichtete Kaltgasdüsen hinzukommen. Rocket soll einsitzig sein und zusätzlich rund um das Auto verteilte Düsen für Auftrieb und Drehbewegungen erhalten. Das sind Produktpläne, keine Belege dafür, dass ein ausgeliefertes Kundenfahrzeug die Eigenschaften des Stuntprototyps haben wird. [1]
Der Unterschied ist auch bei der Bestellung wichtig. Laut CBS lässt sich ein nicht fliegender Roadster gegen eine Anzahlung von 5.000 Dollar reservieren. Thrust wird als limitierte Version beschrieben, die sich noch nicht reservieren lässt. Rocket mit seinem vollständigen Flugsystem soll dagegen nur auf Einladung angeboten werden. Eine Roadster-Reservierung ist somit nicht dasselbe wie eine Bestellung des Autos, das Kunststücke in der Luft ausführt. [2]
Musk nennt 2028 als Ziel für den Produktionsstart. Ein endgültiger Preis wurde nicht vorgestellt. Die technische Nachbetrachtung von Car and Driver betont zudem, dass die Redaktion nicht behauptet, die gesamte gezeigte Technik werde in Produktion gehen. Die beiden Artikel sind Berichte desselben Herausgebers, nicht zwei voneinander unabhängige technische Überprüfungen. [1][2][3]
Eine Behördenauskunft ist keine Freigabe
Sowohl CBS als auch Car and Driver zufolge gibt Tesla an, dass Rocket nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen ist. Das ist eine wesentliche Einschränkung und keine Fußnote zu den Leistungsversprechen. [2][3]
Zugleich gibt CBS eine Auskunft der US-Luftfahrtbehörde FAA wieder: Das Fahrzeug erfüllt nicht deren Definition eines Luftfahrzeugs. Das bedeutet aber nicht, dass die FAA es als Flugauto zugelassen hat. CBS beschreibt die Zuständigkeit für die Aufsicht als unklar und berichtet, die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA habe auf die Fragen der Redaktion nicht geantwortet. Welche Konfiguration die FAA beurteilt hat und auf welcher vollständigen Grundlage, geht aus den verfügbaren Angaben nicht hervor. [2]
Es fehlt deshalb nicht nur ein Preisschild. Die Berichte liefern keine unabhängig gemessenen Werte zur Flugdauer, zur Reichweite in der Luft oder dazu, wie lange das Fahrzeug in der Luft bleiben kann. Sie zeigen auch nicht, welche Sicherheitsreserven bei Druckverlust oder einer missglückten Landung bestehen. Das beweist nicht, dass längere Flüge unmöglich sind. Es bedeutet, dass sie hier nicht belegt sind.
Die Roadster-Vorführung zeigt auf faszinierende Weise, wozu sich Druckluft, Gebläse und Steuerungssysteme einsetzen lassen. Doch zwischen einem spektakulären Stunt mit einem Prototyp und dem Verkauf eines sicheren, zugelassenen und wiederholt nutzbaren Flugautos liegen genau die Fragen, die die Vorführung nicht beantwortet.
Quellen
- Revealed! New Tesla Roadster Takes Flight with SpaceX Thrusters ↗Car and Driver (reveal)
- With Tesla Roadster debut, Elon Musk shows "flying cars are real" - CBS News ↗CBS / AFP
- Explained: Here’s How the Tesla Roadster Flies, Flips, and Sucks ↗Car and Driver (technical follow-up, Oct 17)
